"Eine Sammelstiftung zu gründen, war immer mein Traum"

Die berufliche Vorsorge hat Bruno Marroni schon früh interessiert – und er ist dem Thema bis heute treu geblieben. Wir haben den Geschäftsführer der Swisscanto Flex Sammelstiftung und der Swisscanto 1e Sammelstiftung getroffen und mit ihm über Bubenträume, durchgemachte Nächte und seine Pläne für "danach" gesprochen.

Herr Marroni, Sie beschäftigen sich seit 28 Jahren mit der beruflichen Vorsorge. Das Thema scheint Sie ja gepackt zu haben.

Absolut. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist die berufliche Vorsorge extrem vielseitig und spannend.

Sie haben mittlerweile zwei Sammelstiftungen ins Leben gerufen, für die Sie auch als Geschäftsführer tätig sind. Was macht Ihren Beruf so spannend?

Meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Ich setze die Leitplanken der Stiftungsräte um, kümmere mich um Reglementsanpassungen und ums Reporting, bearbeite Rechtsfälle, führe den Vertrieb und bereite Verhandlungen vor. Und darüber hinaus bin ich natürlich für meine Mitarbeitenden da. Ihnen steht meine Tür immer offen.

Was brauchen Sie mehr: Zahlenverständnis oder Kommunikationsfähigkeit?

Ich bin der Typ, der gern rausgeht und mit den Leuten redet. Allerdings sehe ich mich nicht als typischen Verkäufer. Ich verkaufe nicht, ich berate. Und das heisst für mich, dass ich 100 Prozent ehrlich bin. Insofern brauche ich kommunikative Fähigkeiten. Auch Empathie ist in unserem Beruf sehr wichtig.

Inwiefern?

In der Flex Sammelstiftung kümmern sich fünf Kundenbetreuer um mehr als 300 Kunden. Diese sind nicht nur von ihrer Persönlichkeit her verschieden, sondern haben auch unterschiedliche Bedürfnisse – oder aktuelle Probleme, die sie uns anvertrauen. Da muss man schnell umstellen, um auf den jeweiligen Kunden und die Situation eingehen zu können.

Sie sind im Raum Zürich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wie ging es danach weiter?

Ich habe mir meinen Bubentraum erfüllt und Lastwagenmechaniker gelernt (lacht). Aber bereits im zweiten Lehrjahr merkte ich: Das ist nichts für mich. Nichtsdestotrotz habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Danach ging es direkt an die Höhere Handelsschule, für die ich mich vorsorglich schon im 3. Lehrjahr angemeldet hatte. Dort habe ich mich zum Technischen Kaufmann ausbilden lassen.

Bruno Marroni und Sonja Spichtig nach einem spannenden Gespräch.

Wie kamen Sie dann zur Vorsorge?

Nach der Handelsschule hatte ich die Wahl zwischen Privatbank und Lebensversicherung. Ich entschied mich für die Versicherung und merkte schnell, dass mich Unternehmenspolicen mehr interessierten als Privatpolicen. Also spezialisierte ich mich auf die Vorsorge. Da war ich 24.

Ein Alter, in dem viele eher Party im Kopf haben.

Ja, auch wir haben die Nächte durchgemacht. Allerdings im Büro (lacht). Kurz vorher wurde das BVG eingeführt; das hiess, jeder Betrieb musste sich versichern. Für uns bedeutete das extrem viel Arbeit. Die Ordner und Dossiers stapelten sich im Gang. Eine Mitarbeiterin hat damals nichts anderes gemacht, als Dossiers unserer Kunden zu suchen, damit wir die Mutationsbelege ablegen konnten (lacht). Es hat Jahre gedauert, das abzuarbeiten. Aber es war eine wunderbare Zeit. Wir waren ein eingeschworenes Team und haben die Dinge mit Begeisterung angepackt. Noch heute treffe ich Kollegen aus dieser Zeit.

Die Einführung des BVG ist jetzt über 30 Jahre her. Was hat sich seitdem in der Vorsorge getan?

Das BVG-Gesetzbuch zeigt dies wohl am anschaulichsten: Es ist von einem halben auf drei Zentimeter Dicke angewachsen. Das heisst, die Regeldichte hat sich enorm erhöht. In meinen Anfangszeiten Ende der 80er-Jahre war unsere Arbeit noch einfach. Heute ist das Regelwerk viel komplizierter. Ausserdem redet man heute nur noch über Assets. Früher lag das Augenmerk auf Rentenlösungen und Vorsorgeplänen. Das vermisse ich ein wenig.

Am Anfang Ihrer Laufbahn haben Sie konsequent alle Ausbildungen im Bereich der Vorsorge durchlaufen. Welche Abschlüsse haben Sie sich denn erarbeitet?

Nun, ich bin Technischer Kaufmann, Versicherungsfachmann, Sozialversicherungsfachmann, Fachmann für Personalvorsorge, Sozialversicherungsexperte und Pensionskassenleiter. Alles eidgenössisch diplomiert oder mit eidgenössischem Fachausweis. Aber um die Titel ging es mir nie. Ich wollte nur gut in dem sein, was ich tue. Und das Lernen hat mir Freude bereitet.

Wie halten Sie sich jetzt auf dem Laufenden?

Ich bin ja den ganzen Tag mit der Aktualität unseres Geschäfts konfrontiert. Aber es ist natürlich sehr wichtig, sich à jour zu halten. Deshalb besuche ich regelmässig Seminare und Fachmessen und lese Fachliteratur.

Sie waren lange administrativ tätig, dann aber auch als Makler unterwegs. Was liegt Ihnen mehr?

Ja, ich kenne und mag beide Seiten des Jobs. Nach den ersten fünf Jahren in der Administration habe ich die Seiten gewechselt und bei einem Maklerbüro das Kollektiv-Leben aufgebaut. Doch mein Traum war es immer, eine Sammelstiftung zu gründen, weil ich der Überzeugung bin, dass die Zukunft nicht in autonomen Lösungen liegt. Meine erste Stiftung ist allerdings an den Turbulenzen um 9/11 gescheitert. Damals war für den Start schon alles parat; wir hatten vom Rückversicherer bis zum IT-System alles, was es brauchte. Doch die Bank zog sich in letzter Minute zurück. Die Unsicherheit war einfach zu gross.

Neben zwei Sammelstiftungen gründete Bruno Marroni auch eine Band.

Mittlerweile haben Sie sich Ihren Traum erfüllt. Was soll noch kommen?

Jetzt will ich mich erst einmal voll und ganz meinen Stiftungen widmen, diese weiter aufbauen und stärken. Dabei gilt es vor allem, den Versicherten erfolgreiche Anlagestrategien zur Verfügung zu stellen und sie bei der aktiven Gestaltung ihrer Vorsorge zu unterstützen. Schliesslich übernimmt die Swisscanto Vorsorge AG als Gründerin der 1e Sammelstiftung auch deren Verwaltung.

Sie sind jetzt seit 13 Jahren bei der Swisscanto Vorsorge AG. Kommen nochmal 13 dazu?

Mein Plan sind eher noch zehn Jahre bei Swisscanto, dann vielleicht noch zwei bis drei Jahre als Stiftungsrat. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein (lacht).

Gibt es denn schon Pläne für "danach"?

Mein Wunsch wäre es, ein paar Jahre auf einem Boot zu leben. Ich bin ein Wassermensch und liebe es, Motorboot zu fahren. Nur wenige Stunden auf dem Zürichsee und ich bin tiefenentspannt.

In Ihrem Büro hängen zwei Gitarren. Spielen Sie aktiv?

Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Meine Mutter spielte Klavier. Ich habe mich eher für Gitarre und Schlagzeug interessiert. Heute bin ich ein leidenschaftlich schlechter Gitarrenspieler (lacht). Wir haben sogar eine Band. Das erste Konzert steht allerdings noch aus.

Geben Sie uns Bescheid, wenn es so weit ist?

Auf jeden Fall.

Wir freuen uns darauf und danken Ihnen für das spannende Gespräch.