Flankierende Massnahmen angesichts tendenziell sinkender Umwandlungssätze

Nach der Abstimmungsniederlage bei der Altersvorsorge 2020 hat der Bundesrat beschlossen, für AHV und BVG zwei getrennte Vorlagen auszuarbeiten. Für das BVG wurden die Sozialpartner aufgefordert, gemeinsam Vorstellungen zu entwickeln. Das Ergebnis wurde am 2. Juli 2019 präsentiert. Der Gewerbeverband hat ein eigenes Modell vorgelegt. Vorgängig wurden von verschiedener Seite Vorschläge zur Revision entwickelt.

Wir gehen an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Revisionsvorschläge ein und fokussieren uns stattdessen auf einen in allen Vorschlägen enthaltenen zentralen Punkt. Nämlich: Wie kann das verfassungsmässige Rentenniveau in Zukunft gehalten werden? Alle Vorschläge zielen im Wesentlichen darauf ab, die (unumstrittenen) sinkenden Umwandlungssätze mit flankierenden Massnahmen zu kompensieren.

Wir gehen davon aus, dass diese BVG-Revision wohl kaum vor 2022 verabschiedet wird. Wertvolle Zeit, die man verstreichen lassen oder aber nutzen kann, um bereits heute geeignete Massnahmen in die Wege zu leiten.

Nachfolgend möchten wir Ihnen nur einige wenige, aber wirkungsvolle Planänderungen vorstellen, die bereits von vielen Kunden genutzt werden und sich immer grösserer Beliebtheit erfreuen. Was also können Arbeitnehmer und Arbeitgeber unternehmen, um die Altersleistungen zu verbessern?

Die nachstehende Auflistung möglicher Massnahmen zur Verbesserung der Altersleistungen ist keinesfalls abschliessend. Im Folgenden werden wir auf zwei der aufgeführten Möglichkeiten als Kombination eingehen (fett markiert).

  1. Sparbeiträge bereits ab Alter 20
  2. Generelle Erhöhung der Sparbeiträge (Sparstaffelungen)
  3. Wegfall des Koordinationsabzugs (Erhöhung des versicherten Lohnes bei unveränderter Sparstaffelung, Verbesserung der Leistungen für Teilzeitangestellte)
  4. Boni sind bis zum BVG-Maximallohn (zurzeit CHF 85´320) zwingend zu melden. Darüber hinaus nicht zwingend, ausser wenn im Vorsorgeplan anders definiert (beispielsweise Durchschnitt der letzten drei Jahre)
  5. Einführung sogenannter Wahlsparpläne
  6. Schlussalter-70-Pläne
  7. Einkäufe (arbeitgeber- wie auch arbeitnehmerseitig)
  8. Unbezahlter Urlaub (Vermeidung von Beitragslücken)

Alle diese Massnahmen haben gemeinsam, dass sie das Sparkapital erhöhen. In Verbindung mit den sinkenden Umwandlungssätzen kann so das Rentenniveau in etwa gehalten werden. Werden die Kapitalien bezogen anstatt verrentet, sind diese entsprechend erhöht.

Eine der wichtigsten Massnahmen ist die Einführung der sogenannten Wahlsparpläne gemäss BVV2 Art. 1d. Gemäss der neusten Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto bietet eine wachsende Zahl von Vorsorgeeinrichtungen ihren Versicherten die Wahl zwischen unterschiedlichen Sparplänen. Gesamthaft sind es 44% (Vorjahr 42%). Im Jahr 2012 waren es lediglich 19%. Die Swisscanto Flex Sammelstiftung zählt zu diesen Vorsorgeeinrichtungen, die diese flexiblen Pläne zusammen mit dem Kunden gestalten und an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden anpassen.

In Kombination mit einer weiteren Massnahme aus dem oben aufgeführten Katalog, nämlich dem Wegfall des Koordinationsabzugs, verbessern sich die Sparleistungen zusätzlich. Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass damit die Problematik bei Teilzeitangestellten mit tieferen Löhnen eliminiert wird.

Gute Gründe, um uns diese Möglichkeiten nach BVV2 Art. 1d (Wahlsparpläne) in Kombination mit dem Wegfall des Koordinationsabzugs etwas genauer anzuschauen.

Im oben erwähnten Artikel 1d wird geregelt, dass den versicherten Personen die Möglichkeit angeboten werden kann, aus bis zu drei Sparstaffelungen auszuwählen. Der Anteil des Arbeitgebers bleibt dabei konstant gleich hoch. Der Gesetzesartikel ist nicht einfach zu verstehen; er regelt das Verhältnis des niedrigsten zum höchsten Beitragssatz und hält wie erwähnt fest, dass der Arbeitgeberbei-trag immer gleich hoch sein muss. Der Vorteil liegt darin, dass es nicht der Arbeitgeber ist, der höhere Beiträge entrichtet, sondern dass die versicherte Person selbst entscheiden kann, ob sie mehr in die Vorsorge einzahlen will. Insofern müsste die Einführung von Wahlsparplänen eigentlich eine Motivation für die Arbeitgeber sein, diese flexible Lösung für ihre Mitarbeitenden anzubieten. Abgesehen von den vorteilhaften steuerlichen Aspekten (vor allem wenn die Säule 3a bereits ausgeschöpft ist), die sich für die versicherten Personen ergeben, kann sie nach ihren persönlichen Bedürfnissen Ihre Vorsorge mitgestalten.

Um die Auswirkungen von Wahlsparplänen zu verdeutlichen, haben wir drei gängige Sparpläne unter Zugrundelegung einer Verzinsung von 1% bzw. 2% projiziert. Über einen Anlagezeitraum von 40 Jahren ist dies eine tiefe durchschnittliche Verzinsung, aber den aktuellen Gegebenheiten an den Finanzmärkten und der BVG-Verzinsung eher angepasst. Wichtig ist, dass dieser Musterkunde keinen Koordinationsabzug auf den AHV-Löhnen in Abzug bringt, was grundsätzlich schon eine Verbesserung der Leistung darstellt. Auf eine starke Lohnentwicklung haben wir bei unseren Annahmen verzichtet. So wurden lediglich die Zahlen des Bundesamtes für Statistik «Bruttolöhne nach Alter und Geschlecht 2014» zur Projektion herangezogen (ohne Karrieresprünge usw.). Die drei Sparstaffelungen nennen wir der Einfachheit halber «Standard», «Midi» und «Opti». Der Sparprozess beginnt mit 25 und endet mit dem ordentlichen Pensionsalter, in diesem Beispiel 65 für einen Mann. Die Basis für die Berechnung der Wahlpläne war der Standardplan mit einer Sparstaffelung von 8/11/16/19% (beispielsweise Alter 25: 3,3% + 4,7% = 8%).

Berechnen wir nun die Sparendkapitalien, so stellt man fest, dass die drei Sparpläne bei identischer Verzinsung entsprechend abweichen. Die Differenz zwischen den Plänen Standard und Opti beläuft sich auf knapp CHF 100‘000.–. Unter Zugrundelegung eines Umwandlungssatzes (UWS) von 6,0% beträgt der Rentenunterschied CHF 5‘656.– pro Jahr. Würden die UWS dieser Kasse um knapp 1 Prozent auf 5,1% gesenkt, hätte eine versicherte Person im Opti-Plan immer noch die gleiche Rente wie eine versicherte Person im Standardplan ohne Reduktion des UWS (rot markiert).

Berechnen wir nun die Sparendkapitalien mit einer (lediglich) 2-prozentigen Verzinsung, so ergibt sich eine Differenz zwischen den Plänen Standard und Opti von CHF 112‘000.–. Unter Zugrundelegung eines Umwandlungssatzes (UWS) von 6,0% beträgt der Rentenunterschied CHF 6‘706.– pro Jahr. Würden die UWS dieser Kasse um knapp 1 Prozent auf 5,1% gesenkt, hätte eine versicherte Person im Opti-Plan immer noch die gleiche Rente wie eine versicherte Person im Standardplan ohne Reduktion des UWS (rot markiert).

Wie man an diesen beiden Berechnungsbeispielen sehr gut erkennen kann, haben es die versicherten Personen wirklich selbst in der Hand, ihre Altersleistungen trotz sinkenden Umwandlungssätzen aktiv zu verbessern. Falls Sie Fragen zu den in diesem Artikel aufgeführten Massnahmen haben oder eine Offerte wünschen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an unser Vertriebsteam unter swisscanto-flex.ch