Interview mit Andreas Schmeltzer – dem neuen Geschäftsführer der Swisscanto Flex Sammelstiftung

Ein Interview mit Andreas Schmeltzer, dem neuen Geschäftsführer der Swisscanto Flex Sammelstiftung.

Herr Schmeltzer, Sie sind seit 1. November 2020 der neue Geschäftsführer der Sammelstiftung Swisscanto Flex. Was haben Sie für Erwartungen an Ihre neue Aufgabe?

Ich habe als neuer Geschäftsführer mit dem Namen Swisscanto Flex einen sehr starken Markennamen übernommen, der für Service, Leistung und Qualität steht. Diese Attribute gilt es nun in erster Linie zu konsolidieren und in zweiter Linie auszubauen. Daher müsste man die Frage meines Erachtens anders formulieren: was hat die Sammelstiftung bzw. der Stiftungsrat der Swisscanto Flex für Erwartungen an mich? Ich habe bereits eine intensive, fast vierwöchige Kennenlern- und Einarbeitungsphase hinter mir und schon viel mitgenommen. Aber das ist jetzt erst der Anfang und wird vermutlich noch etwas dauern, wobei ich grosse Unterstützung vom gesamten Team erhalte. Eine bereits getroffene Massnahme, um den Brand bzw. das Produkt zu stärken, ist, dass wir das bestehende Vertriebsteam erweitern.

Welches Paket an Erfahrungen bringen Sie mit, um Ihren eigenen Erwartungen gerecht zu werden?

Meine bisherige 25-jährige BVG-Erfahrung. Die meiste Zeit davon habe ich mich im Bereich der Versichertenadministration bewegt. In den letzten drei Jahren durfte ich das Dienstleistungsmandat für eine kleinere Sammelstiftung führen. Als eidgenössisch diplomierter Pensionskassenleiter habe ich meine praktischen Erfahrungen zudem stets mit Weiterbildungen ergänzt.

Worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen der Position?

Die Swisscanto Flex Sammelstiftung befindet sich in einer spannenden Phase. Einerseits gilt es intern den Zusammenschluss zum 1. Juli dieses Jahres von der PFS Pension Fund Services AG und der Swisscanto Vorsorge AG «kulturell» zu stemmen. Zwei unterschiedliche, jahrelang etablierte Unternehmenskulturen und -philosophien verschmelzen. Das ist ein länger währender Prozess, der uns vermutlich bis Mitte 2021 begleiten wird. Dazu gehören auch technische Innovationen sowie die Vereinheitlichung des gesamten Vertriebs-, Marketing- und Kommunikationsprozesses. Andererseits sehe ich momentan nach aussen die besondere Herausforderung darin, dass wir den Anschlüssen der Swisscanto Flex Sammelstiftung die Einführung des Stabilisierungskonzepts für das Vorsorgewerk Rentner transparent und einleuchtend vermitteln können. Das Reglement dazu ist übrigens per 1. November 2020 in Kraft getreten.

Welche sind die Stärken der Swisscanto Flex Sammelstiftung?

Das sind für mich ganz klar die Menschen dahinter. Ich bin hier auf ein hochmotiviertes und sehr hilfsbereites Team gestossen. Natürlich läuft nicht alles immer reibungslos ab. Aber daran wächst der Mensch und befindet sich demzufolge in einem laufenden Lernprozess – dem ich mich sehr gerne stelle. Die Swisscanto Flex Sammelstiftung steht zudem für ein innovatives, flexibles und attraktives Produktangebot im Bereich der beruflichen Vorsorge. Seit 2009 bieten wir für Firmenkunden unterschiedlichster Grösse verschiedene Vorsorgelösungen an. Mit individuellen Versicherungsplänen und verschiedenen Wahlmöglichkeiten bei der Anlage des Vorsorgevermögens deckt die Swisscanto Flex Sammelstiftung die unterschiedlichsten Anforderungen von KMUs flexibel ab.

Präsenz oder Ergebnis – was zählt für Sie mehr als Geschäftsführer?

Die Vorsorgewelt unterscheidet sich nicht grundlegend vom Rest der Wirtschaft. Daher zählt auch hier am Ende des Tages oftmals nur das Ergebnis. Ich persönlich bin aber der Auffassung, dass eine positive Einstellung und eine klare, menschenorientierte Wertehaltung das Ergebnis automatisch positiv beeinflusst. Von daher versuche ich, nicht immer nur die wirtschaftliche Seite zu betrachten, sondern vor allem auch die menschliche. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut.

Welche Themen beschäftigen die Branche Ihrer Meinung nach aktuell am Stärksten?

Das Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Umwandlungssatz und sinkenden Renditeerwartungen ist ein Dauerbrenner. Mittel- und langfristig stellt sich meiner Meinung nach auch die Frage, wie wir die Babyboomer auf dem Arbeitsmarkt und somit als Beitragszahler für die Altersvorsorge ersetzen wollen. Dies betrifft zwar die umlagefinanzierte AHV noch mehr als die berufliche Vorsorge, ist aber trotzdem ein aktuelles Thema. Ausserdem natürlich die vom Parlament aufgenommene Übergangsbestimmung zu Art. 47a BVG. Zudem ist das Thema «Digitalisierung» immer noch sehr aktuell. Schon heute ist bei der Art und Weise wie Informationen im Versicherungswesen ausgetauscht werden ein Wandel erkennbar – weg von «klassischen» Formaten wie Papier und Telefonaten, hin zu Onlineplattformen. Trotzdem möchte ein erheblicher Teil der Menschen im Versichertenstamm sowie auf Seiten der Unternehmen noch immer auf die traditionelle Form der Kommunikation – Telefonat und persönliches Gespräch – zurückgreifen. Das ist ein Spagat als Vorsorgeeinrichtung, den es zu lösen gilt. Ausserdem gibt es keine Pensionskassen-Software «von der Stange», da jede Vorsorgeeinrichtung ihre besonderen Anforderungen hat. Auch wir befinden uns momentan in diesem Prozess und investieren in eine neue Softwarelösung.

Herr Schmeltzer, beenden Sie bitte folgenden Satz: «Diese Branche braucht…»

Mehr «Bewegungsfreiheit» in Bezug auf Regularien bzw. Bestimmungen. Damit meine ich, dass die Branche gesamthaft mittlerweile so viele Gesetzesvorgaben einhalten muss, dass die ursprüngliche Vielfalt der Vorsorgeeinrichtungen in einen immer enger werdenden Korridor getrieben wird. Es wird also schwieriger, sich von der Masse abzuheben und auf die eigene Stiftung aufmerksam zu machen. Gerade kleinere Pensionskassen haben es hier besonders schwer: während das Niedrigzinsumfeld auf der einen Seite Anlageerträge schmälert, geraten Pensionskassen gleichzeitig auf der Kostenseite nicht zuletzt durch gewachsene operative, administrative und regulatorische Anforderungen unter Druck. Dies betrifft nahezu alle Bereiche einer Pensionskasse, sei es im Hinblick auf die Kapitalanlage oder Compliance bis hin zur Arbeitsorganisation und IT-Sicherheit. Sie haben begrenzte Ressourcen und profitieren nur in geringerem Masse von Skaleneffekten.

Und zum Schluss noch eine persönliche Frage an Sie: was war der schlechteste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?

(lacht) Daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Schliesslich wäre es ohnehin in meiner eigenen Verantwortung, einen solchen Ratschlag zu befolgen oder auch nicht. Von daher behaupte ich mal, dass ich keine schlechten Ratschläge erhalten, sondern allenfalls schlechte Entscheidungen getroffen habe. Aber ich bin vom Typ her kein Mensch, der hinterfragt, «was wäre, wenn…». Ich denke lieber vorausschauend.